Interview: „Die Verantwortung wird gelebt“

Dr. Dirk Brinschwitz ist neuer technischer Geschäftsführer der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz.
Dr. Dirk Brinschwitz ist neuer technischer Geschäftsführer der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz.

Seit dem 1. September 2021 hat Dr. Dirk Brinschwitz die Aufgaben des technischen Geschäftsführers der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz übernommen. Im Interview schildert er, welche Weichen er für die Zukunft des Unternehmens stellen wird.

Dr. Brinschwitz, es heißt oft, der erste Eindruck sei der wichtigste. Welchen Eindruck haben Sie also bislang vom Unternehmen gewonnen?

In den ersten Wochen war es natürlich mein Ziel, mich mit den verschiedenen Unternehmensbereichen und Standorten der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz und den jeweils drängenden Themen vertraut zu machen. Dabei durfte ich bereits eine ganze Anzahl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennenlernen. Zu den ersten Eindrücken, die ich aus diesen Gesprächen mitgenommen habe, gehört zum einen der hohe technische Sachverstand der Beschäftigten. Das ist wirklich beeindruckend. Gleichzeitig ist da eine Begeisterung für die Sache zu spüren, die ansteckend ist. Das Motto "Kein Tag ohne Wasser" wird nicht als irgendein bedeutungsloser Spruch abgetan, sondern als persönliche Verantwortung angenommen, dafür zu sorgen, dass zweieinhalb Millionen Menschen tatsächlich 24/7 ihr Trinkwasser erhalten. Das Leitmotiv wird gelebt und ist tagtäglich spürbar.

Was sind Ihrer Einschätzung nach Aspekte, die das Unternehmen innerhalb der Wasserbranche auszeichnen?

Eine bemerkenswerte Charakteristik hier ist tatsächlich die Langfristigkeit im Denken. Die heutige Stellung und Funktion des Unternehmens bis hin zum Aufgabenfeld einzelner Beschäftigter sind Ergebnis eines vor mehr als 60 Jahren beginnenden Planungsprozesses, der kontinuierlich mit Blick auf die Zukunft – wenn Sie so wollen, die nächsten 60 Jahre – fortgesetzt wird. Das ist eine beeindruckende Unternehmensvita. Augenfällig ist zudem die Diversität der Ressourcen mit der Nutzung von Oberflächenwasser aus der Rappbodetalsperre und Grund- sowie Uferfiltratwasser in der Elbaue. Entsprechend haben wir es im Rahmen des Ressourcenschutzes mit einer großen Bandbreite an Themen zu tun. Die überregionale Verteilung des Trinkwassers in drei Bundesländern ist die nächste Herausforderung, bei der wir uns auf eine länderübergreifend funktionierende Mitwirkung der genehmigenden Behörden stützen müssen, aber tatsächlich auch können. Rückhalt gibt uns dabei die gleichermaßen gute Akzeptanz bei unseren Kunden, die zum großen Teil ja auch Gesellschafter sind.

Mit welcher grundlegenden Zielstellung gehen Sie nun an Ihre Aufgaben heran?

Meine Aufgabe besteht im Kern darin, die Langfristigkeit im Denken, von der ich vorhin sprach, konsequent fortzusetzen und dazu etwa die Strategie zur auch zukünftig nachhaltigen Bewirtschaftung unserer Ressourcen weiter zu entwickeln. Damit ist beispielsweise die Anpassung unserer Gewinnungs-, Aufbereitungs- und Verteilungsstrukturen an mögliche Folgen des Klimawandels gemeint. Dieser wird in Zukunft für alle Prozesse eine Herausforderung sein, für die wir heute bereits die richtigen Weichen stellen müssen, damit auch morgen alles so zuverlässig und gut funktioniert wie bislang.

Welche Handlungsfelder ergeben sich konkret für die kommenden Jahre?

Einen Schwerpunkt stellen für mich die Themen Personal und Digitalisierung dar – zwei Prozesse, die ich sehr eng verknüpft sehe. Im Wesentlichen geht es darum, das Wissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in passende Prozesse zu transformieren, um die Aufgaben zu standardisieren und noch effizienter arbeiten zu können. Der entscheidende Punkt ist dabei, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Aufgaben und der dafür erforderlichen Arbeitsumgebung gewährleistet wird. Die Beschäftigten spielen beim Prozess der Digitalisierung eine wesentliche Rolle. Beim Thema Wasserressourcen liegt der Fokus für mich darin, unsere Versorgungsbasis durch die Umsetzung des geplanten Ersatzneubaus des Wasserwerks Sachau zu erweitern. Gleichzeitig wird die Aufgabe sein, die Resilienz unserer Anlagen bei Spitzenlastbetrieb über mehrere Tage oder gar Wochen zu verstärken. Optionen dafür sind beispielsweise eine Intensivierung des Brunnenerneuerungsprogramms in der Elbaue und die Stärkung der Aufbereitungskapazitäten der Wasserwerke. Es gilt ganz grundlegend, eine breite Zustimmung für den nachhaltigen und vor allem aktiven Schutz der Ressourcen bei den verschiedenen Stakeholdern wie etwa den Gesellschaftern und den involvierten Behörden zu etablieren und zu pflegen. Da ist bereits in der Vergangenheit viel getan worden, sowohl auf lokaler und regionaler als auch auf internationaler Ebene. Unser Engagement in der Arbeitsgemeinschaft der Wasserversorger im Einzugsgebiet der Elbe, der AWE, die sich dem Schutz dieses Fließgewässers verschrieben hat und das bis auf EU-Ebene verficht, gilt es fortzusetzen. Mein Augenmerk richtet sich zudem auf die langfristige Sicherung aller, für unsere Tätigkeit notwendigen Rechtsgrundlagen. Gemeint ist damit die Sicherung der Schutzgebiete und der zugehörigen Wasser- und Gewinnungsrechte sowie auch der Genehmigungen für den Betrieb unserer Anlagen etwa vor dem Hintergrund von gesetzlichen Novellierungen.

Drei Dinge, auf die Sie sich in Ihrem neuen Arbeitsalltag besonders freuen?

Am meisten freue ich mich auf motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich arbeite gern mit Menschen und kann es kaum erwarten, gemeinsam mit engagierten Kolleginnen und Kollegen die Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz weiter zu entwickeln. Das Unternehmen genießt hier in der Region eine hohe Akzeptanz und Wertschätzung. Das ist etwas, das es als Wert an sich zu pflegen und auch weiter auszubauen gilt. Zweitens freue ich mich auf neue, spannende Aufgaben ausschließlich im Wassersektor. Zuletzt war ich stark eingebunden in nationale und internationale Projekte, die zwar eng mit Wasserthemen verküpft waren, aber viele weitere Bereiche tangierten wie beispielsweise der Trassenbau für SuedLink, die Verbindung zwischen den Windstromerzeugern im Norden mit den Stromverbrauchern im Süden, den der Übertragungsnetzbetreiber Tennet vorantreibt. Drittens freut es mich persönlich nach dreizehn Jahren in Berlin – und der Projektarbeit auf vier Kontinenten – wieder mehr Zeit mit Freunden und Bekannten in meiner Heimatstadt Torgau verbringen zu können.

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