Auswirkungen von Trockenheit

Quelle: Deutscher Wetterdienst

Das Jahr 2018 war eines der trockensten Jahre, das die mitteldeutsche Region jemals seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 erlebt hat. Ohnehin nicht niederschlagsverwöhnt, fielen im Sommer 2018 im südlichen Sachsen-Anhalt nicht einmal 40 Prozent der durchschnittlich üblichen Regenmenge. Zu den ausbleibenden Niederschlägen gesellten sich über viele Tage hinweg außergewöhnlich hohe Temperaturen. Bernburg an der Saale war im Sommer der heißeste Ort Deutschlands: Am 31. Juli kletterte die Temperatur dort auf 39,5 °C. Von Juni bis August konnte man dort 74 und seit April bisher sogar 98 „Sommertage“ mit mehr als 25 °C zählen. (Quelle DWD)

An keinem Tag war die Trinkwasserversorgung im Versorgungsgebiet der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz gefährdet. Dennoch blieben Trockenheit und Hitze natürlich nicht ohne Auswirkungen. Im Fall unseres Unternehmens hieß das im Einzelnen:

Dargebot

Die Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz konnte im Gegensatz zu manch anderem Versorger von ausreichend gefüllten Talsperren im Frühjahr profitieren. Dennoch schrumpften die Vorräte an Rohwasser in beachtlichem Tempo. Erst Mitte Dezember konnte wieder ein Zufluss in den Staukörper der Rappbodetalsperre verzeichnet werden - der erste nach 8 Monaten! Ob die Talsperre im Winterhalbjahr wieder gefüllt werden kann, ist abhängig von den Niederschlägen im Harz. Bleiben sie aus, entleert sich die Talsperre weiter. Allerdings würde der zum Jahrenende 2018 gespeicherte Inhalt noch für ein weiteres Trockenjahr reichen.

Qualität

Auch die Elbe führte monatelang extremes Niedrigwasser. Weniger Wasser heißt weniger Verdünnung. Gereinigtes Abwasser aus Kläranlagen und Industrieansiedlungen wird nicht so stark verteilt und belastet den Fluss in höherem Maße als üblich. Auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen sind die Stickstofffrachten durch den ausbleibenden Pflanzenwuchs hoch und könnten ebenfalls stärker ins Grundwasser eindringen. Zwar sind aktuell keine Einschränkungen in der Rohwasserqualität festzustellen, ein latentes Risiko aber bleibt und lässt sich für die Zukunft nicht ausschließen.

Mitteleinsatz

Das Niedrigwasser der Elbe sorgte im Zusammenspiel mit hohen Verdunstungsmengen auch für  einen absinkenden Grundwasserspiegel in den Wasserfassungen der FWV. Zwar ist ein Austrocknen der Brunnen nicht zu befürchten, denn wir fördern aus tiefen Grundwasserschichten. Allerdings steigt der Energieaufwand für das Heben des Wassers aus  größeren Tiefen. Bei rund 2,5 Mio. Kubikmetern geförderten Rohwasser pro Monat kommt ein nicht unerheblicher Bedarf an zusätzlicher Energie zustande.

Bewirtschaftungsplanung

Nicht nur die Pumpen, auch die Aufbereitungs- und Verteilanlagen werden in Trockenperioden überdurchschnittlich stark in Anspruch genommen, schließlich müssen jederzeit große Wassermengen bereitgestellt werden. Das führt einerseits zu einer stärkeren Beanspruchung, andererseits aber auch zu stark eingeschränkten Wartungs- und Reparaturzeitfenstern. Dies ist in der Bewirtschaftungsplanung zu berücksichtigen.

Kapazitäten

Am 08. August 2018 wurden mehr als 291.000 Kubikmeter Trinkwasser in das Fernwassernetz abgegeben. Das ist das 1,4 fache der durchschnittlichen täglichen Abgabemenge und ein neuer Rekordwert. Dafür müssen Kapazitäten vorgehalten werden, die an den restlichen 364 Tagen im Jahr nicht ausgenutzt werden. Diese Vorhaltung kostet Geld und schlägt sich im Trinkwasserpreis nieder.

Nutzungskonkurrenz

Talsperren sind wichtige Wasserspeicher, die im Falle großer Trockenheit auch der Niedrigwasseraufhöhung dienen. So trocknen z.B. Flussunterläufe nicht aus, Flora und Fauna der Gewässer leiden nicht so stark, Industriestandorte bekommen ausreichend Produktions- und Kühlwasser, landwirtschaftliche Flächen können beregnet werden. In Zeiten knapper werdender Ressourcen wächst der Konkurrenzdruck der verschiedenen Nutzungsarten und die verschiedenen Interessen müssen abgewogen werden. Nicht immer hat die Trinkwasserversorgung dabei ausreichend hohe Priorität.

Fazit

Es ließen sich noch weitere Auswirkungen aufzählen, die entlang der Kette bis zum Verbraucher zu beobachten sind. An dieser Stelle soll jedoch ein Fazit stehen:

Ob wir es mit dem Klimawandel zu tun haben oder doch nur ein Wetterphänomen beobachten konnten – es spielt keine Rolle. Fakt ist, dass das Wetter solche Extreme hervorbringen kann und keiner kann vorhersagen, wie viele Extreme aufeinander folgen können. Deshalb sehen wir die unbedingte Notwendigkeit, verschiedene Maßnahmen auf den Weg zu bringen.

  • Der Trinkwasserversorgung muss Vorrang vor anderen Gewässernutzungsarten eingeräumt werden. Das Land Niedersachsen hat dies bereits geregelt.
  • Bestehende Wasserrechte müssen hinsichtlich ihrer Reservewirkung für Krisenzeiten beurteilt werden. Gegebenenfalls müssen Anpassungen vorgenommen werden.
  • Wasserschutzgebiete müssen konsequenter ausgewiesen und Ressourcen noch stärker geschützt werden, um steigenden Konzentrationen von unerwünschten Stoffen besser Einhalt gebieten zu können.
  • Mögliche zusätzliche Gewinnungsgebiete könnten als Vorbehaltsgebiete ausgewiesen werden, um sie im Bedarfsfall schneller nutzbar zu machen.
  • Bewirtschaftungskonzepte müssen überarbeitet und an die steigenden Anforderungen durch schnelle Wechsel von Wetterextremen angepasst werden.
  • In diesem Zusammenhang müssen auch die Anlagenkapazitäten betrachtet werden, die für eine extreme Auslastung an wenigen Tagen zur Verfügung stehen.

Diese Aufgaben müssen gemeinsam von allen Wasserversorgern aber auch den zuständigen Behörden und der Politik angegangen werden.

Zuletzt aktualisiert am 07.01.2019 von Jana Arnold.

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