Wasserinhaltsstoff Nitrat

Sommer 2014: Nitrat als Wasserinhaltsstoff macht wieder einmal von sich reden. Der aktuelle Anlass ist ein Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission, die Deutschland Untätigkeit bei der Einhaltung der EU-Nitratrichtlinie vorwirft. Diese sieht vor, dass Grundwasser nicht mehr als 50 mg/L Nitrat enthalten darf – ein Wert der an mehr als der Hälfte der Grundwassermessstellen in Deutschland überschritten wird.

Ein Baustein des Lebens

Grund dafür ist in erster Linie die Düngepraxis deutscher Landwirte. Nitrat ist eine Stickstoffverbindung und Stickstoff ein Nährstoff, den Pflanzen zum Wachstum brauchen. Für einen guten Ertrag muss also Stickstoff in Form von Dünger zugeführt werden. Reichlich davon enthält nicht nur Kunstdünger sondern auch Gülle als Abfallprodukt der Tierhaltung. Und da Gülle ohnehin entsorgt werden muss, landet sie auf den Feldern.

Wie bei jedem Stoff ist es die Dosis, die den Unterschied macht. Nitrat wird sehr schnell ausgewaschen. Bevor also eine Pflanze den gesamten aufgebrachten Dünger aufnehmen kann, ist vieles davon schon mit dem nächsten Regen in Richtung Grundwasser versickert. Zudem beruht der Düngebedarf für einzelne Arten auf Schätzungen und Von-Bis Angaben. Wer auf der sicheren Seite sein will, düngt also lieber am oberen Ende des Erlaubten.

Kontrolle funktioniert nicht

Die gesetzlichen Vorgaben der Düngeverordnung, die es durchaus gibt und die den Nitrateintrag durch die Landwirtschaft regeln sollen, sind aus Sicht der Wasserversorgung einfach nicht streng genug. Die Grenzwerte sind zu hoch, Kontrollen quasi nicht vorhanden. Landwirtschaftlich genutzte Flächen sind größtenteils überversorgt mit Stickstoff, was sich an vielen Stellen in Deutschland direkt in den Grundwasserleitern widerspiegelt.

Schwer zu entfernen

Und aus dem Grundwasser ist es nur ein kurzer Weg ins Trinkwasser. Nitrat ist in der Trinkwasseraufbereitung nur mit äußerst hohem technischem und finanziellem Aufwand zu entfernen. Der Wasserversorger, der in seinem Rohwasser zu hohe Nitratwerte misst, hat deshalb eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder er legt seinen Brunnen still und bohrt an anderer Stelle einen neuen oder er verschneidet das belastete Wasser mit Wasser aus unbelasteten Quellen und senkt auf diese Weise den Nitratwert unter die vorgeschriebene Grenze von 50 mg/L.

Auf die Einhaltung dieses Grenzwertes achten die Gesundheitsbehörden, die die Qualität des Trinkwassers überwachen, besonders, denn zu hohe Nitratwerte können gesundheitliche Schäden hervorrufen.

Alle Varianten der Nitratabsenkung kosten den Verbraucher zusätzlich Geld und entsprechen weder dem Verursacherprinzip noch einer nachhaltigen Nutzung vorhandener Ressourcen. Aus diesem Grund investieren Wasserversorger auch sehr viel in vorbeugenden Ressourcenschutz (siehe auch Katalog vorsorgender Leistungen der Wasserversorger des BMU)

Vorbeugende Maßnahmen

Dazu gehören bei der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH zum Beispiel Kooperationsverträge mit allen Flächennutzern in den Einzugsgebieten der Trinkwasserbrunnen, die zum Beispiel auch besondere Anforderungen bei der landwirtschaftlichen Nutzung regeln. Aber auch ein intensives Grundwassermonitoring, ein dichtes Messnetz und Investitionen und Beteiligungen bei Forschungsprojekten sind Maßnahmen, mit denen ein vorbeugender Ressourcenschutz umgesetzt wird.

Abbaukapazität des Bodens ist endlich

„Zwar sind die Nitratwerte in allen unseren Rohwässern mit weniger als 5 mg/L extrem niedrig, dies darf aber nicht darüber hinweg täuschen, das wir an einigen Stellen an der Grundwasseroberfläche bereits bedenkliche Werte messen, so Peter Rothenhöfer, Hydrologe und bei der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH zuständig für den Ressourcenschutz. „Da die Nitratabbaukapazität des Bodens endlich ist und irgendwann erschöpft sein wird, ist es letztlich nur eine Frage der Zeit, bis diese Mengen auch 1:1 ins Grund- und Rohwasser gelangen. Bis dahin muss es uns allen gelungen sein, einen tragfähigen Kompromiss zur nachhaltigen Bewirtschaftung unserer Natur zu finden, bei der die Anforderungen aller gleichermaßen ihren Platz finden.“

Weiterführende Links

Umweltbundesamt - Stickstoff – Zuviel des Guten? Eine Publikation des UBA, die die Stickstoff-/Nitrat-/Nitritproblematik auch über die Wasserversorgung hinaus sehr umfangreich und verständlich erläutert

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit - Katalog vorsorgender Leistungen der Wasserversorger für den Gewässer- und Gesundheitsschutz

Zuletzt aktualisiert am 18.09.2014 von Jana Arnold.

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